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GIP Gesellschaft für medizinische Intensivpflege mbH

Arbeitszeiten in der Pflege

Die Pflege von Menschen findet 24 Stunden täglich, 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr statt - Wochenenden, Feiertage und Betriebsferien gibt es nicht. Natürlich kann der einzelne Arbeitnehmer das so nicht leisten und arbeitet nur ca. 1700 Stunden im Jahr. Die spannende Frage ist, wie Krankenhäuser und Pflegeheime die kontinuierliche Betreuung rund um die Uhr organisieren. Hierbei stößt man gerade in Heimen immer noch auf uralte Arbeitszeitmodelle: 6-Tage-Woche, geteilte Dienste, Nachtdienste über mehr als 10 Stunden.

Dies sind Modelle, die bis in die 90er Jahre noch fast überall üblich waren, aber zum Glück zurückgehen. Wir zeigen im folgenden verschiedene Aspekte auf, was dafür, aber vor allem was dagegen spricht.



Nachtdienst

Nachtschichten in der Kranken- und Altenpflege dauern in der Regel 10 Stunden. Dies ist die gesetzliche Höchstgrenze für die tägliche Arbeitszeit und anders nur mit großem organisatorischen Aufwand zu machen. Allerdings ist seit Erlaß des neuen Arbeitszeitgesetzes eine Ruhepause von 45 Minuten vorgeschrieben (Mindestlänge der Pause 30 Minuten, zu gewähren ab einer Arbeitszeit von 6 Stunden; 4 ArbZG). Da Nachtwachen oft allein arbeiten, ist dies nicht praktikabel, schließlich kann man schlecht von PatientInnen/BewohnerInnen verlangen, in eben diesen 45 Minuten nicht zur Toilette zu wollen oder einen Herzanfall zu bekommen.

Das BAG unterscheidet in der nächtlichen Pausenregelung zwischen Krankenhäusern und Altenheimen: Für Krankenhäuser wird vorausgesetzt, daß die Pflegekräfte ständig einsatzbereit sind, also keine Pause im Sinne des Gesetze nehmen können, auch wenn die Möglichkeit besteht, sich zwischendurch länger hinzusetzen. Für Altenheime unterstellt das BAG, daß, weil die Bewohner ja nicht "krank" sind, in einer bestimmten Phase der Nacht, wenn alle schlafen, eine Pause festgelegt werden kann. Wir halten diese Unterscheidung nicht mehr für zeitgemäß, weil in vielen Altenheimen inzwischen eine derart hohe Arbeitsbelastung besteht, daß eine störungsfreie Pause nicht möglich ist.

Folgende Möglichkeiten, die Ruhepausen-Regelung umzusetzen, gibt es:
  • Pausen-Regelung, wenn in einem Arbeitsbereich mehr als eine Nachtwache arbeitet, ist bedingt möglich. Bedingt, weil die Pause machende Nachtwache im Notfall der anderen Nachtwache beistehen und dafür ihre Pause abbrechen muß. Folgende Nachteile bietet diese Regelung: 1. zählt die Pause nicht zur Arbeitszeit, d.h. der Arbeitnehmer kommt bei 10 Stunden Nachtdienst nicht auf seine reguläre Arbeitszeit und muß 1-2 Nächte mehr im Monat ableisten, oder 2. die Nachtschicht kann um die Pausenzeit verlängert werden.
  • Umgehung der Pausen-Vorschrift durch Umwidmung einer bestimmten Zeit als (bezahlte) Bereitschaftszeit, d.h. die Arbeitszeit wird unterbrochen und danach neu begonnen. Nachteile wie unter a. Fraglich ist auch, ob dies rechtlich überhaupt zulässig ist.
  • Hauptnachtwachen in größeren Einrichtungen, die die regulären Nachtwachen zur Pause ablösen. Nachteile: 1. kann hierfür unter Kostenaspekten kein zusätzliches Personal eingestellt werden, die Hauptwachen müßten also aus dem vorhandenen Personalbestand abgezogen werden und würden dort den vorhandenen Notstand verschlimmern, 2. müßte rechnerisch die erste Pausenablösung schon nach weniger als 2 Stunden erfolgen, zu einer Zeit also, in der die Nachtwache zum einen noch Routine-Arbeiten verrichtet, zum anderen nicht wirklich eine Pause erforderlich wäre.
Es gibt Überlegungen, die Arbeitszeiten so zu verändern, daß ein Nachtdienst höchstens 6 Stunden lang ist, also keine Pause gewährt werden muß. Dies ist praktisch die Einführung eines 4-Schicht-Systems mit sehr variablen Arbeitszeiten. Unseres Wissens ist dieses Modell noch nirgends in Kraft oder allenfalls in einer Erprobungsphase. Auch hier gibt es viele Fragezeichen zu machen:
  • Erhöhung von Diskontinuitäten, weil Pflegekräfte z.B. mitten in einer Schicht anfangen und dadurch keine oder nur eine reduzierte Übergabe erhalten;
  • Ablösung mitten in der Nacht, wenn alle bereits schlafen, und somit die Gefahr der "Entfremdung" gegenüber den PatientInnen/BewohnerInnen und umgekehrt auch Verunsicherung der PatientInnen/BewohnerInnen wegen der Ablösung;
  • Arbeitszeiten müssen auf den anstrengenderen, weil anspruchsvolleren Tag umverteilt werden, um die individuelle Arbeitszeit erfüllen zu können, dadurch höhere Belastung;
  • die Umstellung wird weitere Veränderungen in den Arbeitsabläufen nach sich ziehen, die möglicherweise den "Kunden" der Pflege teilweise nur schwer zu vermitteln sind.
Da hierzu noch wenig greifbares bekannt ist, werden wir ggf. zu einem späteren Zeitpunkt in unserem Newsletter darauf hinweisen, sobald wir mehr erfahren.

Fazit
In punkto Nachtienste müßte der Gesetzgeber entschieden nachbessern.



Geteilte Dienste

Großzügig ausgelegt, ist der geteilte Dienst auch eine Form der flexiblen Arbeitszeit - allerdings voll zum Nachteil des Arbeitnehmers. Vor allem in Pflegeheimen wird er noch praktiziert, besonders an Wochenenden: Der Arbeitnehmer beginnt seine Arbeitszeit morgens ganz normal, macht dann aber keine volle Frühschicht, sondern unterbricht seine Arbeitszeit im Laufe des Vormittags, geht nach Hause und kommt nachmittags wieder, um bis zum Beginn der Nachtschicht weiterzuarbeiten. Vorteil dieses Modells ist, daß zu den "Hauptarbeitszeiten" genügend Pflegekräfte vor Ort sind. Nachteil ist, daß zum einen der ganze Tag quasi verloren ist, zum anderen in heutiger Zeit bei gewachsener Mobilität Fahrzeiten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz von 1 Stunde keine Seltenheit mehr sind, eine Heimfahrt sich also kaum lohnt. Rechtswidrig daran ist, daß dadurch die gesetzliche Ruhezeit zwischen 2 Schichten unterschritten wird (dazu gleich mehr).



6-Tage-Woche

In vielen Heimen wird noch nach der 6-Tage-Woche gearbeitet, also 12 Tage am Stück, jedes zweite Wochenende frei. Vorteil für die Betreiber ist die bessere Planbarkeit des Personals, jeden Tag sind alle da, die nicht Urlaub haben oder krank sind, im Dienstplan sind kaum freie Tage zu berücksichtigen, die Versorgung kann kontinuierlicher gewährleistet werden.

Die 6-Tage-Woche hat aber mehrere gravierende Nachteile.

1. Arbeitsmedizinischer Aspekt:

Die körperliche und psychische Beanspruchung in der Pflege ist gegenüber den 80er Jahren deutlich gestiegen. Ein Wochenende alle 2 Wochen reicht kaum aus, um den eigenen "Akku" wieder aufzuladen. Folgen können sein: Verminderte Leistungsfähigkeit und/oder -bereitschaft, Unzufriedenheit mit der eigenen Situation, Verstärkung von Konflikten im Pflegeteam, häufigere Erkrankungen, die auf Erschöpfung zurückzuführen sind, frühes "Ausbrennen" und damit letztlich Ausstieg aus dem Betrieb oder ganz aus dem Beruf. In der 5-Tage-Woche läßt sich insbesondere das Ausbrennen vermeiden, weil die Arbeitnehmer durch zusätzliche freie Tage mehr Zeit haben, sich zu regenerieren.

2. Organisatorischer Aspekt:

Verteilt man bei einer 40-Stunden-Woche die Arbeit gleichmäßig auf 6 Tage, beträgt die tägliche Arbeitszeit 6 Stunden 40 Minuten, zuzüglich 30 Minuten Pause. Ausgehend von einer regulären Nachtschicht von 10 Stunden, bleiben an den Schnittstellen zwischen den Schichten morgens und abend je 5 Minuten und mittags 10 Minuten für die Übergabe (siehe Tabelle 1). Diese Übergabezeiten allein sind schon viel zu kurz, nimmt man noch Rüst- und Wegezeiten hinzu, bleibt für die Übergaben gar keine Zeit mehr.

Schicht Beginn Ende
Nacht 21.00 Uhr 7.00 Uhr
Früh 6.55 Uhr 14.05 Uhr
Spät 13.55 Uhr 21.05 Uhr

Tabelle 1: Beispiel für Dienstzeiten bei 6-Tage-Woche

Viele Betriebe haben jedoch auf tariflicher oder freiwilliger Basis die Arbeitszeit auf 38,5 Stunden reduziert. Hier beginnt es richtig problematisch zu werden, weil dann die tägliche Arbeitszeit nur noch 6 Stunden 25 Minuten beträgt und bei 30 Minuten Pause die Schichten nicht einmal mehr aneinanderstoßen!

Schicht Beginn Ende
Nacht 21.00 Uhr 7.00 Uhr
Früh 7.00 Uhr 13.55 Uhr
Lücke 13.55 Uhr 14.05 Uhr
Spät 14.05 Uhr 21.00 Uhr

Tabelle 2: 6-Tage-Woche bei 38,5 Stunden

Einige gleichen die Lücke aus, indem sie entweder die reguläre Schichtlänge auf dem Stand der 40-Stunden-Woche belassen und die Arbeitszeitverkürzung durch ein kompliziertes AZV-Tag-System erreichen, oder verlängern die Frühschicht künstlich durch Einführung einer 2. Pause.

Einfacher sind reguläre und ausreichende Übergabezeiten jedoch mit der 5-Tage-Woche zu verwirklichen, weil bei einer 38,5-Stunden-Woche die tägliche Arbeitszeit 7 Stunden 42 Minuten beträgt. Selbst bei einer weiteren Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden, was einige Träger auf freiwilliger Basis bereits praktizieren, lassen sich noch komfortable Übergabezeiten gestalten. Auch Rüst- und Wegezeiten für das Anlegen der Dienstkleidung lassen sich so verwirklichen.

Schicht Beginn Ende
Nacht 21.00 Uhr 7.00 Uhr
Früh 6.30 Uhr 14.42 Uhr
Spät 13.18 Uhr 21.30 Uhr

Tabelle 3: Beispiel für Dienstzeiten bei 5-Tage-Woche

3. Arbeitsrechtlicher Aspekt

In allen oben genannten Beispielen beträgt die Zeit zwischen dem Ende der Spätschicht und dem Beginn der Frühschicht maximal 10 Stunden. Jede Pflegekraft wechselt innerhalb von zwei Wochen mindestens einmal die Schicht, und zwar in der Regel von Spät- auf Frühdienst.

Während früher nach der Arbeitszeitordnung eine Verkürzung der sogenannten Ruhezeit zwischen zwei Schichten auf 9 Stunden in Krankenhäusern und Heimen erlaubt war, schreibt das neue Arbeitszeitgesetz eine Ruhezeit von 11 Stunden vor. In Krankenhäusern und Heimen darf sie zwar immer noch verkürzt werden, muß aber immer noch mindestens 10 Stunden betragen. Diese Ruhezeiten sind im Grunde bei einer 6-Tage-Woche nicht einzuhalten, weil zwischen einem Spätdienst und einem darauffolgenden Frühdienst ein freier Tag liegen muß. Zumindest bewegen sich die Arbeitgeber hier auf einem arbeitsrechtlich eher zweifelhaften Terrain.

Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So
S S S S S F F F F F F F - -

Tabelle 4: Beispiel für einen Dienstplan bei 6-Tage-Woche mit kurzem Schichtwechsel


Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So
S - S S - F F F F F F F - -

Tabelle 5: Beispiel für einen Dienstplan bei 5-Tage-Woche, freier Tag zwischen Spät- und Frühdienst

Zweifellos hat die Umstellung von der 6- auf die 5-Tage-Woche auch Nachteile, das wollen wir hier gar nicht bestreiten. Die Arbeitsabläufe müssen umgestellt werden, eventuell ist vorübergehend sogar ein vermehrter Personalaufwand erforderlich. Diese Nachteile relativieren sich aber, wenn man die Vorteile dagegen aufwiegt: Dienstpläne sind flexibler gestaltbar, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit steigen, die Personalfluktuation sinkt, es werden also weniger Kapazitäten für die Einarbeitung neuer Arbeitnehmer gebraucht, und es sind weniger Fehlzeiten durch Krankheit zu erwarten.



Teilzeitkräfte

Bisher war nur von Arbeitnehmern die Rede, die in Vollzeit arbeiten. Einige Nachteile der 6-Tage-Woche treffen auf Teilzeitkräfte natürlich nicht zu. Aber auch hier ergeben sich Vorteile nach Einführung der 5-Tage-Woche durch flexiblere Planbarkeit.

Grundsätzlich sind zwei Modelle denkbar, nach denen Teilzeitkräfte eingesetzt werden können: Volle Tage (Schichten) mit entsprechenden freien Tagen oder täglich stundenweise Beschäftigung entsprechend dem Arbeitsvertrag - hier greifen dann allerdings wieder teilweise die Nachteile der 6-Tage-Woche. Beide Modelle sind in der 5-Tage-Woche flexibler handhabbar und können den Bedürfnissen beider Parteien entgegenkommen - zum einen bedarfsgerechter Einsatz, zum anderen z.B. familienfreundliche Arbeitszeiten.



Möglichkeiten des Betriebsrates

Die Gestaltung der Arbeitszeit unterliegt der Mitbestimmung des Betriebsrates gem. 87 Abs.1 Nr.2 BetrVG. Der Betriebsrat hat hier auch ein Initiativrecht, kann also die Einführung der 5-Tage-Woche beim Arbeitgeber beantragen. Argumente haben wir hier hoffentlich ausreichend geliefert. Zur Abmilderung der Umstellungsschwierigkeiten bietet sich an, übergangsweise die 5,5-Tage-Woche einzuführen. Die tägliche Arbeitszeit verlängert sich bei einer 38,5-Stunden-Woche um 35 Minuten auf 7 Stunden, es werden bereits ähnliche Effekte auf die Überlappungszeiten zwischen den Schichten erzielt wie bei der 5-Tage-Woche.

Nach Inkrafttreten einer Betriebsvereinbarung sollte noch einige Zeit, je nach Größe des Betriebes bis zu 6 Monate, bis zur endgültigen Einführung der 5-Tage-Woche eingeplant werden, die Arbeitgeber und Betriebsrat zur Vorbereitung und Prozeßbegleitung nutzen sollten. Dies kann in verschiedenen Formen und Stufen passieren:
  • Vorstellung der geänderten Arbeitszeiten auf einer Betriebsversammlung.
  • Fortbildung für die Pflegekräfte, die für die Dienstplangestaltung verantwortlich sind.
  • Gemeinsame Beratungen von Betriebsrat, Arbeitgeber, Pflegedienstleitung(en) und Stations- bzw. Wohnbereichsleitungen.
  • Wichtig ist auch die Einbeziehung der betroffenen Arbeitnehmer bei der Neustrukturierung der Tagesabläufe. Jedes Pflegeteam sollte hier für sich zunächst den bisherigen Tagesablauf aufschreiben und dann gemeinsam überlegen, wie die längeren Schichtzeiten sinnvoll genutzt werden können. Dieser Prozeß kann die Akzeptanz für die veränderten Arbeitszeiten verbessern.
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